Bauchschmerzen

Welche Ernährung bei Reizdarm und häufigen Bauchschmerzen?

Hast du das sogenannte „Reizdarm -Syndrom“? Oder häufig Bauchschmerzen?

Neulich saß ich im Zug und lauschte einem Gespräch zweier Frauen. Sie beklagten sich über ständige Bauchschmerzen. Ihr Umgang damit waren recht ähnlich: Die Ernährung stark einschränken (alles ansatzweise verdächtige weglassen) ohne aber zu  wissen woher das eigentliche Problem kommt. Sie rateten wild herum was die Ursache ihres Problems sein könnte:

  • Gluten?
  • Geschmacksverstärker?
  • Stress?
  • „irgendwas im Kuchen oder im Brötchen“?

Auch ich hatte ja lange Zeit diese Probleme, was damals als „Reizdarm“ bezeichnet wurde. Ich halte nicht viel von dieser Diagnose. Aber in der Tat ist die Ansicht, dass Magen und Darm schnell „gereizt“ sind und dann „geschont“ werden sollten, sehr weit verbreitet. So  auch im Gespräch der zwei Frauen. Die eine meinte, dass sie sich mit Aryurveda auseinandersetzt, weil das ja alles im Magen und Darm „beruhige“ (Bei der Aryurveda-Kost isst man hauptsächlich Gekochtes und Suppen mit „milden“ Zutaten und Gewürzen. Rohe Nahrung wird eher vermieden, weil die „belastet“).

Eine andere Strategie der beiden Frauen war es sich mal vom Arzt durchchecken zu lassen und einen Allergie-Test zu machen. Das ist sicher keine schlechte Idee, denn natürlich kann auch immer eine Erkrankung im Magen-Darm-Bereich vorliegen (z.B. Laktoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit o.ä.). Wie in meinem Fall werden viele aber mit einer Diagnose wie „Reizdarm“ abgespeist und ist dann auch nicht wirklich schlauer als vorher…

Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr. Und wenn ich sie doch mal habe, dann weiß ich in der Regel ziemlich genau woher. 😉

Was war die Lösung für meinen „Reizdarm“?

In Wirklichkeit müssen Magen und Darm gar nicht geschont werden… Das klingt erstmal vielleicht schwer vorstellbar. Denn beispielsweise ist die „Schonkost“ (Toast, weich gekochtes, …) für Magen-Darm-Kranke bzw. Empfindliche in Krankenhäusern und auch in den Köpfen der Menschen weit verbreitet. Die Lösung für meinen Reizdarm habe ich dem äußerst tüchtigen Arzt Dr. Max Otto Bruker zu verdanken, der vom „Verträglichkeitsproblem“ sprach.
Ich möchte nicht behaupten, dass es den „Reizdarm“ nicht gibt. Es scheint mir aber doch eine schwammige Sammel-Diagnose zu sein, bei der zu wenig nach den echten Ursachen geschaut wird.

Bruker fand in seinen klinischen und ambulanten Untersuchungen und Beobachtungen an zehntausend Patienten über Jahrzehnte heraus, dass die scheinbare Unverträglichkeit natürlicher Nahrungsmittel nicht am jeweiligen Nahrungsmittel selbst liegt, sondern an der Zusammenstellung der gesamten Ernährung. Laut Bruker gibt es kaum eine absolute Unverträglichkeit eines einzelnen Nahrungsmittels, sondern meist nur eine relative im Rahmen der Gesamternährung.

Folgende Metapher verdeutlicht den Zusammenhang: „Wenn in einem Orchester von 20 Musikern, 19 richtig spielen und nur einer falsch, so ist das ganze Konzert verdorben“
Der Laie kann aber nicht erkennen, welches der 20 Nahrungsmittel, die Unverträglichkeiten bzw. den „Reizdarm“ verursacht und beschuldigt meist das falsche, z.b. das Vollkornbrot.

Lebensmittel, die Unverträglichkeiten verursachen

Magen-Darm-Empfindliche bzw. Menschen mit „Reizdarm“ sollten folgende Nahrungsmittel für einen gewissen Zeitraum (z.B. 4 Wochen) mal komplett streichen und beobachten, ob sich ihre Beschwerden bessern:

  • Alle Farbikzuckerarten

Der Fabrikzucker ist wirklich an allererster Stelle zu nennen, wenn es um Verträglichkeitsprobleme in der Ernährung geht. Interessant ist, dass andere Fabriknahrungsmittel wie Auszugsmehle oder Fabrikfette (z.B. Margarine) zwar ungesund sind, aber keine Unverträglichkeiten verursachen.
Der Zucker verändert die Darmflora massiv und es dauert etwa bis zu 2 Wochen, bis diese sich wieder „erholt“ und natürliche Nahrungsmittel wieder optimal vertragen werden. Mit „Fabrikzuckerarten“ meine ich alles was auf „ose“, „sirup“ oder „dicksaft“ endet. Die Nahrungsmittelindustrie ist kreativ und denkt sich immer neue Süßungsalternativen aus, die eigentlich keine sind.

Egal ob es Kokosblütensirup oder Agavendicksaft heißt – sie haben alle gemeinsam, dass sie unnatürlich stark konzentriert sind und dadurch der Verdauung zu schaffen machen können. Alternativen sind Obst, Steviablätter und in Maßen Trockenfrüchte und Honig (diese sind bereits in naturbelassenem Zustand so „konzentriert“ und sind daher besser verträglich und vor allem noch relativ reich an Vitalstoffen).

Die folgenden Punkte haben i.d.R. keine so starke Auswirkung wie der Fabrikzucker. Meist erst in höheren Mengen und regelmäßig genossen bzw. ist es hier auch eher individuell. Wie gesagt ist es aber sinnvoll für einen gewissen Zeitraum auch diese potenziell ungünstigen Nahrungsmittel mal ganz zu streichen. Und dann kann man nach und nach probieren, was sich harmonisch in Maßen integrieren lässt.

  • Gekochtes, eingemachtes Obst
  • Säfte aller Art
  • Trockenfrüchte
  • Röststoffe in Kaffee & Schwarztee  (Alternative: Grüntee, da nicht geröstet)
  • In Fett Gebratenes

Meist werden die genannten Nahrungsmittel beim direkten Verzehr scheinbar vertragen, also verursachen keine umittelbaren Probleme. Die Probleme zeigen sich dann besonders wenn „lebendige“ Nahrungsmittel wie frisches Obst
& Gemüse oder Vollkornbrot gegessen werden und so werden diese Nahrungsmittel dann fälschlicherweise beschuldigt.

Das klingt zunächst mal vielleicht nach einer starken Einschränkung und nach Verzicht. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich dir sagen, dass ich mittlerweile kaum etwas höher schätze als das Gefühl beschwerdefrei zu sein vom Reizdarm… Und dass ist mir viel mehr wert als ein kurzer Genuss (außerdem gibt es für alle ungesunden Leckereien gute gesunde Alternativen, die oft sogar besser schmecken). Ich mache mir klar, dass die Beschwerdefreiheit keine Selbstverständlichkeit ist und die Probleme wiederkommen, wenn ich zu viele Ausnahmen mache (das habe ich immer wieder erfahren ;)).

Meine ganz klare Empfehlung ist es vor allem beim Fabrikzucker konsequent zu sein. Am besten lässt du ihn sogar komplett weg. In meinem Haushalt befindet sich nichts mehr mit Fabrikzucker ;). Wenn dir z.B. Kuchen angeboten wird und du ablehnst und erklärst, dass du davon Probleme bekommst (oder sagst dass du gerade fastest), sollte das auch für jeden ok sein.
Aber sei ruhig ein paar Mal inkonsequent und mache deine Erfahrungen. ich bin mir sicher, dass du bald merken wirst, dass sich das nicht so besonders lohnt. 😉 Um aber festzustellen, dass der Fabrikzucker  (und die anderen kritischen Nahrungsmittel) diese Probleme verursacht, ist es notwendig ihn zumindest mal eine Zeitlang komplett wegzulassen.

Weitere Tipps, um deine Ernährung zu harmonisieren

Es gibt noch ein paar Punkte, die sich bei mir sehr bewährt haben, um meine Ernährung harmonischer zu gestalten. Vielleicht helfen sie dir ja auch:

Erst bei Hunger Essen

In unserer modernen Zivilisation kennen viele das Gefühl Hunger überhaupt nicht mehr. Man isst eigentlich nur nach Uhrzeit, Appetit und bei Gesellschaftlichkeiten. Ich habe festgestellt, dass bei Hunger das Essen viel besser schmeckt, ich eher merke wann ich satt bin und die Verdauung viel besser funktioniert.
Im Englischen heißt das Frühstück ja „breakfast“, also wörtlich übersetzt „Fasten brechen“, weil man mit der ersten Mahlzeit am Tag quasi das Fasten bricht und damit die „Aufräumarbeiten“ des Körpers beendet. Weil Fasten toll ist und viele gesundheitliche Vorteile hat, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht morgens erst dann was zu essen, wenn mein Körper mir Hunger signalisiert. Das ist dann meistens erst so um 11 oder 12 Uhr.

Nüsse, Kerne & Co einweichen

Nüsse, Kerne & Co enthalten häufig sogenannte Enzymblocker, die eigentlich als Fraßschutz gegen Insekten fungieren. Diese Enzymblocker behindern den geregelten enzymatischen Ablauf auch bei der menschlichen Verdauung. Deswegen kann es helfen, wenn du Nüsse & Co vor dem Verzehr einweichst.
Am liebsten mag ich eingeweichte Haselnüsse (8h Einweichzeit), die ich dann in einem Glas im Kühlschrank lagere. Passt super ins Müsli oder so als Snack. Außerdem gibt’s bei mir zum Frühstück meist frisch geflocktes oder geschrotetes Getreide, dass ich mit einer Flockenquetsche zubereite. Frische Haferflocken weiche ich für 2-5h, anderes Getreide (z.B. Emmer, Einkorn usw.) über Nacht ein. Wer keine Flockenquetsche oder Mühle hat, kann sich auch frische Haferflocken kaufen. Die üblichen abgepackten Haferflocken sind wärmebehandelt und haben viele Vitalstoffe bereits verloren.

Mehr Sprossen integrieren

Sprossen werden häufig aus Getreide, Pseudogetreide & Hülsenfrüchten gezogen. Die Vorteile sind ähnlich wie bei den Nüssen der Abbau von Enzymblockern und anderen ungünstigen Stoffen. Außerdem werden Enzyme gebildet, die dich bei deiner Verdauung zusätzlich unterstützen. Das Sprossenziehen startet man am einfachsten mit einem Keimglas.
Hier sind meine Favoriten, die ich fast täglich verwende: Sprossen aus Buchweizen, Belugalinsen, Sonnenblumenkernen.

Schluss

Um zu den beiden Frauen im Zug zurückzukommen: Wie ich bereits erwähnte, schränken die beiden Frauen ihre Ernährung stark ein. Eine beschrieb, dass sie am Tag ca. 2 Äpfel einen kleinen Salat und einen Joghurt isst. Ich kann mir das ehrlich gesagt fast nicht vorstellen, dass das stimmt. Jedenfalls war vor allem eine Frau doch sehr, sehr dünn und wirkte auf mich ziemlich energielos… Falls dir das bekannt vorkommt, hoffe ich, dass Du durch meine Tipps genug Energie für deinen Tag tanken kannst, dich gut fühlst und deine Bauchschmerzen bzw. Reizdarmsyndrom in den Griff bekommst. 😉

Schreibe mir gerne eine persönliche Nachricht oder lasse ein Kommentar da, ob der Artikel Dir geholfen hat. 🙂

 

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