Saftfasten Erfahrung

Saftfasten – meine Erfahrung nach 125 Stunden ohne feste Nahrung

Über die Ostertage habe ich etwa 5 Tage (125 Stunden) Saftfasten gemacht und zeige dir wie du das auch machen kannst. Ich werde hier aber nicht darauf eingehen welches die beste Fastenform ist oder wie lange man idealerweise fastet, um welchen Effekt zu erzielen. Dazu gibt es genügend Literatur da draußen :). Ich werde hier vor allem meine eigene Erfahrung schildern und ein paar Infos und Überlegungen für Einsteiger teilen, damit das Saftfasten gelingt. Im Zweifelsfall solltest du aber einen Arzt befragen, ob das Fasten für dich geeignet ist.

Warum Saftfasten? Was passiert im Körper?

Zunächst einmal ist Fasten ein jahrtausend altes Heilmittel zur Linderung körperlichen und seelischem Leid. Vielleicht erinnerst du dich noch als du das letzte Mal einen fiesen Infekt oder eine Erkältung hattest – hattest du da Hunger oder Appetit? Wir essen dann meist weil wir es gewohnt sind, aus Langeweile oder weil wir denken so wieder „schneller zu Kräften zu kommen“. In Wahrheit aber versucht der Körper dich durch den mangelnden Appetit zum Fasten zu animieren. Tiere in der freien Wildbahn fasten fast immer bei körperlichem Leid und ziehen sich dabei zurück. Die Selbstheilungskräfte deines Körpers werden erst dann angekurbelt, wenn er nicht mit Verdauung beschäftigt ist. Mir hat mal jemand erzählt, dass sich eine Erkältung, die sich sonst eine Woche oder länger hinzieht mit Fasten auch schon nach 2-3 Tagen vorbei sein kann! Das werde ich auf jedenfall an mir selbst mal testen und dann hier ein Update geben. 😉

Aber nicht nur bei so etwas akutem wie einer Erkältung kann Fasten helfen. Bei fast jedem körperlichen (und seelischen) Leiden kann Fasten eine deutliche Verbesserung bewirken. Egal ob das häufige Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, träge Verdauung oder Akne ist. Was da genau im Körper passiert ist sehr komplex. Vereinfacht kann man sagen, dass der Körper Zeit hat vom „Funktionieren-Modus“ in den „Aufräum-Modus“ zu wechseln.

2 Fallbeispiele zeigen sehr schön, was da ungefähr im Körper passiert:

  • Bei einer Fastenwanderung in Schweden wurde bei den Omnivoren (Alles-Essern) nach einigen Tagen Fasten ein höherer Eiweiß-Gehalt im Blut festgestellt als bei den fastenden Vegetariern. Eine mögliche Erklärung dafür könnte sein, dass der Körper sich von Eiweißablagerungen aus dem Bindegewebe „ernährt“, die bei der im Westen üblichen „Eiweiß-Mast“ (Aufnahme von zu viel tierischem Eiweiß) entstehen können. Diese Eiweißablagerungen können zu eingeschränkter Beweglichkeit bis hin zu rheumatischen Erkrankungen führen. Nur mit einer knappen tiereiweißarmen Vollwertkost können diese Ablagerungen verhindert und durch regelmäßiges Fasten entfernt werden.
  • das zweite Beispiel bezieht sich auf Menschen, die in ihrer Vergangenheit schonmal einen richtigen „Trip“ durch Drogen-Einnahme hatten. Es gibt Fälle von Menschen, die beim Fasten wieder einen solchen Trip erleben, weil der Körper Rest-Substanzen der Droge aus den Zellen „hohlt“, die da womöglich jahrzehntelang rumlagen.

Saftfasten hat nun den Vorteil, dass dein Körper nicht mit Verdauung beschäftigt ist, aber dennoch Energie und wichtige Enzyme, Vitamine und Mineralien über den Saft aufnimmt. Gerade wenn du das erste Mal über mehrere Tage fastest (so wie ich) ist es am einfachsten ein Saftfasten zu machen. Du fällst nicht in so ein starkes Energieloch (wobei sich der Blutzuckerspiegel nach ein 2-3 Tagen auch beim Wasserfasten wieder normalisiert) und die Entgiftung verläuft  „sanfter“. Und gleichzeitig bekommt dein Körper wichtige Vitalstoffel, die ihn unterstützen. Es geht dir körperlich besser, weil du durch das Saftfasten noch einen gewissen Blutzuckerspiegel hast und den Effekt der Entgiftung nicht so stark spürst.

Was hat es mit Ver- und Entgiftung auf sich?

Über verschmutzte Luft, unsauberes Trinkwasser, Pestizide etc. sind wir alle mehr oder weniger stark mit schädlichen Substanzen belastet. Wenn du dich normal (gesund) ernährst, kann dein Körper immer einen Teil dieser Substanzen über den Stuhl ausscheiden. Den Effekt kannst du dadurch verbessern, in dem du beispielsweise erst gg 11 Uhr morgens etwas isst, weil bis dahin die Entgiftung am aktivsten ist.

Beim Fasten ist es nun so, dass dein Körper besonders viele Giftstoffe mobilisieren kann, weil er eben nicht mit Verdauung beschäftigt ist. Gleichzeitig fehlt aber das „Material“ (der Stuhl) um die Giftstoffe auszuscheiden. Deswegen ist beim Fasten über mehrere Tage auch das Abführen so entscheidend, aber dazu unten mehr. Wenn du jetzt das erste Mal fastest, kann der Effekt der Entgiftung besonders stark (je nach dem wie stark du belastet bist) und ungewohnt für dich sein.

Die Vorteile vom Saftfasten im Überblick:

  • Für Fasteneinsteiger ideal geeignet, weil du nicht in ein so starkes Energieloch fällst (auch wenn sich dieses nach 2-3 Tagen wieder stabilisiert)
  • Die Entgiftung ist nicht ganz so stark & heftig wie beim „richtigen“ Fasten (nur Wasser und Tee). Dein Körper bekommt noch etwas Energie und wichtige Enzyme, Vitamine und Mineralien über den Saft.
  • Es ist abwechslungsreicher als nur mit Wasser und Tee zu fasten

So, nun da du ein bisschen darüber erfahren hast warum man fastet, kommen wir nun zu dem WIE. Wie gestalte ich die Fastentage optimal, wie lange faste ich und wann ist eigentlich ein guter Zeitpunkt zum Fasten?

Saftfasten: Was ist zu beachten? Wie viele Tage kann ich fasten? Und wie viel Saft darf ich pro Tag trinken?

Wann ein guter Zeitpunkt zum Fasten ist, ist sehr individuell. Allgemein sagt man, dass Fasten bei abnehmenden Mond und im Frühling besonders gut gelingt. Jedes Fasten sollte außerdem aus drei Phasen bestehen:

  • den Entlastungstagen: ca. zwei bis drei Tage reine Rohkost und am letzten Entlastungstag weniger essen und möglichst keine Nüsse. Diese Entlastungstage haben den Sinn, dass reine Rohkost meist gründlicher verdaut wird als Kochkost. Für das Fasten sollte dein Magen-Darm-Trakt sauber und aufgeräumt sein 🙂
  • die eigentlichen Fastentage: Die Länge der Fastenzeit richtet sich nach deinem Empfinden und deinen zeitlichen Möglichkeiten. Am besten fastet es sich zuhause und wenn du wenig Stress bzw. wenig Leistung erbringen musst. Auch für die Menge des Saftes gibt es keine Vorgaben und du darfst einfach nach deinem Empfinden gehen. Ich habe meist über den Tag verteilt 2-3 Mal einen Saft getrunken.
  • die Aufbautage/Fastenbrechen: die Länge der Aufbauphase sollte die Hälfte der Fastenphase betragen. Wenn du also 4 Tage gefastet hast, dann nimm dir zwei Tage Zeit um mit Rohkost (möglichst keine Nüsse) langsam wieder aufzubauen. Für viele ist nicht das Fasten an sich schwierig, sondern danach wieder langsam mit der Nahrungsaufnahme anzufangen

Abführen und Darmentleerung?

Wie bereits erwähnt führt der Körper viele Giftstoffe über die Verdauung aus. Da man beim Fasten aber nicht genügend „Material“ im Magen-Darm-Trakt hat, sollte man spätestens am 2. bis 3. Tag hier etwas nachhelfen. Verzichtet man völlig auf das Abführen sind häufig Kopfschmerzen und Unwohlsein die Folge.

Zum Abführen und Darmentleerung gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • einen Einlauf (der Klassiker) oder auch Kaffee-Einlauf
  • Glaubersalz einnehmen (oral) – soll allerdings die Magenschleimhaut etwas angreifen
  • Röhren-Kassie (Cassia Fistula) einnehmen. Das ist eine tropische Frucht dessen Samen eine abführende Wirkung haben.

Ich persönlich habe ab dem zweiten Tag bis zum letzten Tag das Einweichwasser der Röhren-Kassie zu mir genommen und hab damit sehr gute Erfahrung gemacht.
So stellst du das optimale Abführ-Getränk mit Röhren-Kassie her:

  • Schale entfernen und die Kerne + Gellee heraustrennen
  • Etwa eine Golfballgroße Menge in ein Glas geben
  • Für mind 6 Stunden mit Wasser (am besten gefiltertes) bedecken

Einnahme: morgens nüchtern, davor und danach eine Weile nichts trinken
Nach etwa 3 bis 10 Stunden der Einnahme wird es stark in deinem Magen-Darm-Trakt rumoren und am besten sollte dann auch eine Toilette in deiner Nähe sein. 😀

Saftfasten ohne Entsafter?

Wenn du ohne Entsafter fasten möchtest, bietet sich der Entsafter-Trick mit Mixer und Nussmilchbeutel super an:

Weitere Tipps für die Fastenzeit:

Denk dran: Fasten heißt auch zur Ruhe kommen und deinem Körper Zeit zu geben. In unserer Leistungsgesellschaft ist es manchmal gar nicht so leicht anzunehmen, wenn der Körper dann nicht zu ganz so viel in der Lage ist. Ich kann dich aber nur ermutigen: Es lohnt sich und dein Körper wird dich (nach dem Fasten) mit mehr Vitalität belohnen.
Hier ein paar ergänzende/untertsützende Maßnahmen für die Fastenzeit:

  • Basenbad (Vollbad, Fußbad, Wickel)
  • Sauna
  • Sonnenbäder (mit möglichst wenig Klamotten ca 10-20 Minuten sonnen)
  • Leichter Sport/ Spaziergänge

Mein Erfahrungsbericht – Saftfasten vom 19.04. – 22.04.2019 (4Tage)

So, nun folgt mein kleiner Erfahrungsbericht. Ich hab mir zu den einzelnen Tagen immer aufgeschrieben wie ich vorgegangen bin und wie so mein Empfinden war.

2 Entlastungstage:

  • Rohkost
  • Ganz wenig Nüsse
  • Mengenmäßig Etwas weniger als sonst

4 Fastentage:

Tag 1:

  • Normales Empfinden
  • Ca 1lSaft aus Wildkräutern (Brennessel, Taubnessel, Giersch, Löwenzahn, Brombeerblätter, Gras) und Gemüse (Karotte, Süßkartoffel, rote Beete) dazu etwas Zitrone, Ingwer und etwas Löwenzahnwurzel (leberreinigend)
  • Viel Sonne (ca. 4 Stunden)
  • Ca. 2 Stunden leichtes Radfahren

Tag 2:

  • Bisschen Trägheit, Schwindel, Frieren
  • Kassia Wurzel eingenommen (Abführmittel)
  • Gemüt deutlich besser nach Kokoswasser und Saft (ca. 700g Karotte, ca. 200g Gurke, Spitzwegerich und Gänseblümchenblüten, etwas Quellwasser) aber immernoch frieren
  • Dann etwas Gartenarbeit und Sonne abgekriegt -> kein Frieren mehr
  • laut eines Freundes hab ich die Kassia Wurzel noch nicht richtig eingenommen. Ich habe es zwar morgens nüchtern, aber zu stark verdünnt (200ml) und zu wenig eingenommen. Hat aber glaub ich trotzdem gewirkt. Also hat schön rumort nach ca drei Stunden und es kam was raus. 😀
  • 1-2 Stunden Sonne
  • Ca. 40 Minuten leichtes Radfahren
  • Abends interessanterweise das Gefühl „satt“ zu sein. Dann bisschen Bauchschmerzen (vielleicht von dem Kassia?), hab mich dann einfach mit ner Wärmflasche schlafen gelegt

Tag 3:

  • Fühle mich sehr gut und klar
  • Morgens nüchtern Kassia eingenommen
  • Um 11 Uhr ca. 0,5l Kokoswasser dadurch ging das leichte Schwindelgefühl weg. Das Schwindelgefühl ist wohl auch ein Zeichen der Entgiftung.
  • Starkes Rumoren im Bauch, leichte Schmerzen, starke Darmentlehrung
  • Ca. 0,7l grüner Saft (ca. 200g Spinat, 300g Karotten, 200g Gurke, eine Handvoll Spitzwegerich und Salbei)

Tag4:

  • Direkt beim Aufstehen schwindelig und generelle Trägheit bis zum ersten Saft
  • Ich merke dass es mir schwer fällt die Trägheit anzunehmen und einfach mal ruhiger zu machen. Vor allem aber wenn ich mit Menschen zu tun hab, will ich für diese voll und ganz da sein. Für mich alleine kann ich die Trägheit noch ganz gut annehmen.
  • Ca 1l Saft aus Wildkräutern (Brennnessel, Giersch, Fünf-Finger-Kraut, Löwenzahn), Sellerie, Stangensellerie, Rote Beete, Karotte, Urkarotte (lila), Ingwer, Zitrone, Kurkuma
  • Zwar Kassia eingenommen (ca. 9 Uhr) aber keine Darmentleerung, nur leichtes Rumoren, obwohl ich so viel genommen hab wie den Tag zuvor.

2 Aufbautage:

Tag 1:

  • Erste Mahlzeit (mittags): sehr wasserreiche Rohkost: 1 Gurke &  halbe Fenchel-Knolle
  • Zweite Mahlzeit: Salat mit Sprossen etwas Bärlauch-Pesto.

Tag 2:

  • Erste Mahlzeit: auch etwas festere Rohkost: 2 Karotten, halbe Gurke und halbe Fenchel-Knolle
  • Zweite Mahlzeit: wieder Sprossen-Salat mit etwas Bärlauch-Pesto

Schwierigkeiten beim Fasten:

Das schwierigste beim Fasten fand ich mir zu „erlauben“ mal träge zu sein. Und mit der „Kritik“ aus dem Umfeld umzugehen, die nicht verstehen warum man Fastet und sich Sorgen machen. Das ist natürlich nett gemeint, aber nicht gerade besonders bestärkend. Deswegen könnte ich mir für die nächsten Male vorstellen eine Fastenkur zusammen mit anderen zu machen, so dass man sich gegenseitig unterstützen kann.

Fazit – Fasten ist eine interessante körperliche und seelische Erfahrung

Ich bin glücklich und auch ein bisschen stolz, dass ich endlich das erste Mal mehrere Tage gefastet habe! Mit etwas Hintergrundwissen ist das Ganze doch leichter umzusetzen als gedacht. Mein persönlicher Beweggrund für das Fasten waren Neugierde, Hautprobleme und teilweise Kopfschmerzen. Eine leichte Verbesserung konnte ich schon feststellen.

Hast du noch Fragen zu (Saft-)Fasten? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich freue mich über deine Kommentare 🙂

 

 

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